Menorca! Insel des Gins, der Mayonnaise und Heimat vieler glücklichen Kühen

Der Begriff “Ruhe” muss hier erfunden worden sein! Raue Felsenklippen, duftende Pinienwälder, unzählige Buchten und feinsandige Strände. Eine traumhafte Kulisse für den perfekten Urlaub.

Als ich Menorca zum ersten mal besuchte war ich absolut überwältigt und tief beeindruckt. Ein Eindruck der sich bis heute tief verankert hat und mich oft zurück denken lässt. Eine geheimnisvolle Atmosphäre und dieses eigenartiges Gefühl fingen mich sofort ein.

Während meines gesamten Aufenthaltes überkam mich immer wieder ein merkwürdiger Schauer, den ich nicht in Worte fassen kann. Schon beim ersten Schritt auf festem Boden, wurde ich in eine frühere Zeit versetzt. Ich befand mich plötzlich inmitten turbulenter Geschehnisse aus den vergangenen Jahrhunderten. Ja, ich konnte es ganz deutlich spüren, hier war die Geschichte noch lebendig und ständig present. 

Irgendetwas zog mich in seinen Bann und ich tauchte bereitwillig ein. Ich lies mich treiben entlang an historischen Fassaden und maurischen Palästen. Ich konnte die Hufen der Pferde auf den gepflasterten Strassen hören und ein süsser orientalischer Duft erfüllte die Gassen der Stadt. Hinter jeder Ecke lauerten Stimmen und Gelächter und verschwanden sobald ich näher kam. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht welch interessante Vergangenheit auf dieser Insel lag und was sie die ganze Zeit versuchte mir mitzuteilen. 

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Cala des Frares-Ciutadella
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Einsamer Strand im Süden
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Sant Nicolau Festung
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Naturschutzgebiet im Westen
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Glückliche Kühe auf der Weide
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Cala Blanca
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Mallorca am Horizont an der Cala en Busquets
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Kleiner Hafen im Süden

Es war bereits März und mit 20 Grad schon relativ warm. Mit der Fähre fuhren wir von Port de Alcudia im Norden Mallorcas, Richtung Nordost nach Ciudatella los. Es sind lediglich 2 Stunden Fahrtzeit und mit blossem Auge kann man die Umrisse der Insel am Horizont klar erkennen.

Vor meiner Ankunft versuchte ich schon neugierig während der Überfahrt einige Informationen zu bekommen, was mich die nächsten Tage hier erwartete. Hier ein paar Fakten:

Die frühesten Spuren menschlicher Anwesenheit sind datiert auf etwa 2100 v.C. Menorca, der sogleich östlichste Punkt Spaniens, wurde von vielen Völkern besucht, erobert, besetzt und letztendlich auch beeinflußt. Menorca ist mit 695.7 km2 die zweitgrösste Insel der Balearen. Die grösste Entfernung ist nur 47 Kilometer lang und liegt zwischen den Städten Mao im Nordosten und Ciutadella im Südwesten. Der höchste Punkt ist der Monte Toro mit nur 357 m Höhe,  von dem man die ganze Insel aus betrachten kann.

Von Phönizier, Griechen und Karthager bis über die Römer, Mauren, Spanier, Engländer und Franzosen. Sie alle haben die strategische Lage der Insel erkannt und zu ihrer Zeit zu ihren Gunsten genutzt. Und jeder von ihnen hat ein historisches Erbe hinterlassen, welche heute in der Sprache, der Esskultur, der Bräuche und Traditionen und in den Fassaden wieder zu finden sind.

Die Insel lässt sich eigentlich in zwei Regionen aufteilen. Der schroffe von Winden zerklüftete Norden mit fast unberührter Naturlandschaft und der Süden mit seinen weissen Buchten, den flach abfallenden Stränden teils hohen Felsenküsten und Schluchten. Der Unterschied ist wirklich so stark zu spüren und zu sehen dass ich manchmal den Eindruck hatte auf zwei verschiedenen Inseln hin und her zu hoppen.

Menorca ist relativ flach und da keine hohen Berge oder Gebirge vorhanden sind, weht ständig ein kühler Wind. Aus diesem Grund haben die Einwohner die Himmelsrichtungen auch nach den Winden genannt die dort hauptsächlich vorherrschen, nämlich Tramuntana für den Norden und Migjörn den Süden. Ein weiterer Grund weshalb es hier nicht so heiss wie auf den anderen Balearischen Inseln im Sommer ist.

Die Landschaft 
Mit dem Auto begaben wir uns auf Entdeckertour. Los ging es in Ciutadella. Auf der ca. 280 kilometerlangen Gesamtküste sind angeblich über 105 traumhaft schöne Strände und Buchten verteilt. Teils versteckt und sehr klein, andere wiederum erinnern an karibische Paradiese mit kilometerlangen Stränden erinnern.
Die berühmtesten sind die Cala Macarelleta, Cala Galdana, Cala en Turqueta, Cala Mitjana, Son Bou, Bidalli….. die Liste liesse sich ewig weiter führen. 
Wir haben einige wunderschöne Abschnitte gefunden und waren jedesmal von der Schönheit und der Ruhe beeindruckt. Es mag bestimmt auch an der Jahreszeit gelegen haben dass wir uns fast allein gefühlt haben. 
Besonders angetan war ich von den grünen Ebenen und den vielen Kühen, die hier im Herzen der Insel überall weideten. Eigentlich garnicht das was ich auf einer Mittelmeerinsel erwartet hatte.
Rinderzucht, Milch und der berühmte Queso Mahón, sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse die auch auf die anderen Inseln exportiert werden. Der Käse ist hier eine besondere Spezialität. Er verfügt seit 1985 das Qualitätssiegel – Denominación de Origen – eine streng überprüfte Norm nach alter Tradition.
Das wohl berühmteste Erzeugnis ist jedoch der Gin Xoriguer, erkennbar an der alten Windmühle auf der Flasche. Die Vorliebe für dieses Getränk ist ein weiteres Erbe der Briten. Genannt nach dem Hafen Mahóns wird er hier destilliert und kann mit Soda oder einer Scheibe Zitrone getrunken werden. Mischt man ihn mit Limonade erhält man das erfrischende Getränk Pomada.
Was mich dann aber doch am Meisten überrascht hat war die Tatsache dass Mahón die Geburtsstadt der weltbekannten Mayonnaise sein soll! Als Salsa de Mahón begann sie ihren triumphalen Zug um die Welt. Das Rezept das aus Eigelb, Salz, Ol, Zitronensaft und Knoblauch besteht war schon vor Jahrhunderten eine beliebte Sosse bei den Menorquinern.
Nachdem der französische Herzog Richelieu von den Engländern vertrieben wurde,  nahm er das Rezept nach Frankreich mit. Lediglich der Knoblauch wurde weg gelassen.

auf dies Weise haben wir fast alle schon mal ein Stück Menorca geniessen können.

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Verschiedene Käsesorten auf dem Mercado
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Einheimische Tomaten auf dem Markt – Plaza de la Libertad
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Ses Voltes – Die Arkaden in der Altstadt Ciutadellas
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Erdbeeren aus Menorca auf dem Mercat

Mahón
Die administrative Hauptstadt Menorcas ist heute Mao (auch Mahón genannt). Angeblich wurde die Stadt nach General Mahon, dem Bruder Hannibals, benanntSie wurde 1722 während der englischen Besatzungszeit von 1708 bis 1756 zur Hauptstadt ernannt.  Der typisch britische Baustil zeigt heute die deutlichsten Spuren seiner bewegten Vergangenheit.

 

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Mahón – Rathaus auf der Plaza de la Constitucia
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Casa Mercadel im Hintergrund, vorne rechts der Fischmarkt
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Der lange Naturhafen von Mahón
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Mercado de pescados – Fischmarkt mit Tapas über dem Hafen
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Coronita cerveza
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Chicken Nuggets – Tapas
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Bier mit tradionellen Fischkroketten
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Edle Weinauswahl aus ganz Spanien

Auf einem grossen Felsen erbaut bietet die Stadt einen herrlichen Blick hinunter auf den Hafen. Dieser gilt mit einer Länge von 5,5 km und einer Breite von bis zu 1,2 km als der grösste Naturhafen des Mittelmeeres und war schon immer ein sicherer Rückzugsort für die jeweiligen Besatzungsmächte. Heute kann man ganz entspannt entlang der Hafenmauern in zahlreichen Restaurants köstliche Fischgerichte, Meeresfrüchte und andere menorquinische Spezialitäten geniessen.

Der Fischmarkt der sich direkt über dem Hafen Maós befindet, bietet neben vielen tagesfrischen Fängen auch einigen kleine Bars mit wundervoller Sicht aufs Meer. Ich konnte natürlich nicht umhin mich den Insulanern anzuschliessen und mich zwischen die Menge zu mischen. Eine Caña und ein paar Tapas an einem sonnigen Nachmittag sind für mich die Beste Art den Mediterranem Lifestyle zu zelebrieren.

Weiter unten auf der südlichen Seite der Hafeneinfahrt befindet sich das Fort Marlborough, nach Sir John Churchill, Herzog von Marlborough, dem berühmtesten General seiner Zeit genannt. Neben anderen kleineren Türmen rund um die Hafeneinfahrt, diente es zum Schutz der Stadt. Von hier unten sieht die Stadt hoch oben auf dem Felsen fast uneinnehmbar aus. Leicht hatten es hier die Angreifer bestimmt nicht, dachte ich mir.

Auch die Romantik kam hier nicht zu kurz. Sant Antoni, auch als Nelsons House bekannt was Schauplatz einer Liebesbeziehung.  Der Überlieferung nach war dies der Ort an dem Lord Nelson und Lady Hamilton sich im Jahre 1800 während ihrer Liebesbeziehung trafen. Auch der letzte unbeendete Liebesbrief Nelsons an seine Geliebte soll noch dort aufbewahrt sein. Er starb in der Schlacht von Trafalgar und konnte ihn nie zu Ende schreiben. Das Gebäude mit seiner roten Fassade wurde im typischen Kolonialstil auf einem Hügel erbaut und verfügte über einen Aussichtsturm von dem man aus feindliche Schiffe von weitem erspähen konnte.

Ciutadella
Die Stadtarchitektur Ciutadellas ist völlig anders als die Mahóns. Diese am westlichsten Punkt Menorcas gelegene Stadt wurde hauptsächlich von den Mauren während ihrer Besatzungszeit um 1588 geprägt. Sie war für ein sehr lange Zeit die Hauptstadt Menorcas und wurde ursprünglich von den Karthagern gegründet. Inzwischen wurde sie zum historischen Monument erklärt.

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Rathaus von Ciutadella
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Frontansicht Rathaus auf der Placa del Born
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22 m hoher Obelisk in Ciutadella
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Brunnen im Park
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Prachtvolle Adelspaläste – Saura Palace

Meiner Meinung nach ist sie die interessantere der beiden rivalisierenden Städten. Der Baustil, die Atmosphäre und die Gassen erinnern mehr an das Südspanische Flair wie in Andalusien. Eindrucksvolle Adelspaläste im Stil des Barocks und des Klassizismus, sind heute noch zu bewundern.  

Als der christliche König Alfonso II die Befehlsmacht übernahm, lies er im Jahre 1300 die Moschee der Stadt abreißen und durch die im gotischen Stil erbaute Kathedrale Santa Maria de Ciutadella ersetzen. Es wurde lange an ihr gebaut und auch nach der Fertigstellung wurde sie immer wieder Opfer zahlreicher Kämpfe und Schlachten. Heute vereinigt sie viele unterschiedliche architektonische Stilrichtungen und wirkt etwas zu „Gross“ zwischen den umliegenden Häusern auf der Plaza de la Cathedral. 

Das Rathaus auf der Plaza del Born hat ebenfalls eine lange Geschichte und diente schon immer als Sitz des jeweiligen Herrschers der Zeit. Als Alcázar diente es früher als arabischer Stadthalterpalast, später als königlicher Palast für König Alfons II, und anschliessend als Sitz der Gouverneure. Einige prachtvolle Stadtpaläste befinden sich um dem Plaza del Born und der Bischofspalast liegt nicht unweit gegenüber der Kathedrale.

Unser kleines liebevoll eingerichtetes Hotel, das von einem jungen Franzosen und seiner Menorquinischen Frau geführt wurde, befand sich auf der Placa Vella. Dort entdeckte ich auch einen eisernen Hammel mit einer Fahne auf einer Säule der mich sofort interessierte. Da mein Name auch etwas mit Schafen zu tun hat, wollte ich mehr erfahren. Er soll das Symbol für den Hammelsonntag sein, der Tag an dem das Fest des San Joan beginnt welches vom 23. bis zum 25. Juni jährlich gefeiert wird.

Es ist das grösste und berühmteste Fest, welches inzwischen auch weit über den Landesgrenzen berühmt geworden ist. Elegant gekleidete Reiter mischen sich in die Menschenmenge mit ihren legendären Pferden und lassen sie auf den Hinterhufen traben.  Die mutigsten versuchen dabei den Bauch des Pferdes zu streicheln, was ihnen angeblich Glück bringen soll.

Auch ein 22 m hoher Obelisk der mitten im Park vor dem Rathaus steht, passte so garnicht in das Bild, so dass ich wissen wollte was es damit auf sich hat. Er soll an den Überfall der Piraten im Jahre 1558 erinnern und die Helden, die tapfer bis zum Schluss gekämpft haben ehren. Die Zerstörung der Stadt konnte damals nicht verhindern werden.

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Hafen von Ciutadella – Cala en Busquets
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Boote im Hafen
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Mein Lieblings Fischrestaurants im Hafen
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Blick entlang der Hafenbucht
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Placa Nova mit zahlreichen Bars
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Durch die Gassen entlang der Kathedrale  bei Sonnenuntergang
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Placa de Alfons III Conqueridor
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Avinguda de la Constitutió – Placa de Alfons III


Bedingt durch seine günstige Lage und der ständig vorherrschenden Winde bietet Menorca jede Menge Wassersport Aktivitäten
. Windsurfen im Norden und Segeln im Süden. Mit dem Kajak lässt sich so manch versteckte Bucht erkunden, die nur vom Wasser aus sichtbar ist. Und wer lieber gerne Unterwasser auf Entdeckung gehen möchte, findet hier jede Menge Möglichkeiten zum Schnorcheln oder Tauchen.

Der „Cami de cavalls“ ist ein alter britischer Militärpfad, der um die ganze Insel verläuft. Er wurde einst von den Soldaten als Reiterweg benutz um die Insel zu bewachen. Heute ist der Weg wieder restauriert und man kann auf den verschiedenen Pfaden viele interessante Ecken entdecken. 

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Ich in der Cala Algaiarens in Norden
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Zeit zum entspannen am Meer
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Blumenfelder entlang der Küste im Südwesten
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Cala Blanca im Frühling
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Schroffe Klippen und blaues Wasser
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Idyllischer Strand -Cala Algaiarens

In der Nähe Mahóns befindet sich ein Flughafen, der mit regelmassigen Flügen die spanischen Grossstädte innerhalb 1 Stunde und die meisten europäischen Metropolen in ca. 2 Stunden anfliegen kann.

Wer also auch auf Spurensuche gehen möchte oder einfach nur etwas Ruhe und Erholung sucht, ist nur ein paar Stunden davon entfernt. Eine Reise auf diese kleine aber  interessante Insel kann ich jedem nur ans Herz legen.

Bis dahin, wünsche ich dir viel Sonne auf der Haut und ein Lächeln im Gesicht.

Deine

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2 Comments

  1. Interessantes Menorca

    Ein wirklich schön geschriebener Menorca-Bericht mit tollen Fotos. Die Insel ist ja immer noch so etwas wie ein Urlaubs-Geheimtipp der Balearen. Finde Menorca hat sehr viele interessante Orte zu bieten, tolle Buchten und interessante Städte wie Mahon und Ciutadella. Ob direkt Urlaub auf Menorca oder ein Bootsausflug von Mallorca aus – einfach eine schöne Insel und eine interessante Reise-Alternative zu Mallorca.

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