Der Duft meiner Heimat!

Mein Griechenland duftet nach süßem Oleander, würzig herbem Pinienduft und einer frischen salzigen Meeresbrise.

Bei den Göttern zu Besuch

Während ich über das tiefblaue Meer hinüber auf den Berg Olymp schaue, denke ich so bei mir was die Götter da oben jetzt wohl treiben mögen? Haben sie das alles so kommen sehen als Zeus vor einigen Jahren noch mit strenger Hand dort oben regiert hat?

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Der Berg Olymp – Dort wo die Götter wohnen

Wir schreiben heute das Jahr 2016, im Monat Juli. Es ist 14.35 Uhr und 35 Grad heiß. Mehr als die Handbewegung zum Frappé wäre gerade zu viel verlangt. Eine leichte Brise weht Klänge der Lounge Musik aus dem nahegelegenen Beach Club herüber und die Grillen zirpen unermüdlich um die Wette. Sie lassen sich von diesen Temperaturen absolut nicht beirren.

Nach langen 5 Jahren bin ich wieder mal in meiner Heimat Griechenland im Urlaub. Zusammen mit meinen beiden Kindern verbringe ich eine Woche im Strandhaus bei meinen Eltern am Meer. Idyllische Buchten mit türkisfarbenem Wasser und ein Besuch der Insel Thassos haben wir geplant. 

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Vourvourou – Chalkidiki

Schöne Erinnerungen aus ihren und meiner Kindheit wollen wir wieder zum Leben erwecken. Wie haben mein kleiner Bruder und ich es damals geliebt den Tag mit kaltem Kakao und Bougatsa (traditionelles Blätterteiggebäck mit Grießcreme gefüllt) zu beginnen. Oder Gyros in Pita beim Sandwichladen zu holen. Aber auch viele andere typische Spezialitäten wie Feta, Ouzo, Moussaka, Suvlaki und Wassermelonen haben wir über die Jahre lieb gewonnen. Heute ein absolutes Muss. Und zwar jeden einzelnen Tag!

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Kalikratia – Chalkidiki

Schon dieser herrliche Duft bei Aussteigen aus dem Flugzeug ist unverwechselbar. Jeder kennt das sicher. Es ist etwas, dass sich schon sehr früh in unser Gehirn einprägt und einzigartig ist für jeden, egal aus welchem Land er stammt. Mein Griechenland ist eine Mischung aus süßem Oleander, würzig herben Pinienduft und einer frischen salzigen Meeresbrise.

Ich habe es sofort wieder erkannt!

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Nea Iraklia – Chalkidiki

Sehr schnell wurde mir jedoch nach unserer Ankunft das Ausmaß der Krise bewusst, das an allen Ecken sichtbar ist. Es tut mir in der Seele weh zu sehen wie sich alles verändert hat. Es gibt eine starke Armut vor allem bei den älteren Menschen, die ihre Renten nur zu einem Bruchteil ausbezahlt bekommen. Und sogar von diesem Wenigen leben zwei bis drei Generationen. Dennoch versuchen die Menschen hier ihr Leben zu meistern und geben nicht auf. Sie improvisieren und versuchen eine Beschäftigung zu finden. Familien halten noch stärker zusammen und man ist in vieler Hinsicht bescheidener geworden. 

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Fähre von Kavala nach Thassos

Ich bin nach wie vor sehr stolz eine Griechin zu sein. Meine Vorfahren haben die Welt geprägt wie kaum ein anderes Land. Obwohl die letzten Jahre, durch unseren eigenen Leichtsinn, das Land um Jahrzehnte  zurück geworfen haben. Doch wir werden es wieder schaffen, es liegt uns in den Genen. Helden wie König Leonidas I von Sparta, der sich im Jahr 480 v.C. tapfer gegen die gewaltige Übermacht der Perser gestellt hat (heute vielen bekannt geworden aus dem Film „300“) haben es uns vorgemacht.

Ein bisschen Hellenismus steckt in jedem von uns, nur wissen es die meisten nicht!

Jeder von uns benutzt täglich Begriffe und Redewendungen, die ihre Wurzeln im Griechischen haben. 80 % des Wortschatzes lassen sich auf das lateinische oder griechische zurück führen. Wörter der Medizin, der Naturwissenschaften, der Literatur, der Philosophie und der Politik basieren auf der griechischen Sprache.

Das Wort Demokratie zum Beispiel, das als “Herrschaft des Staatsvolkes” ein politisches System darstellt. Das Wort Europa stammt aus der griechischen Mythologie und war der Sage nach der Name einer phönizischen Königstochter, die von Zeus entführt wurde.

Wie weit fortgeschritten wäre unsere moderne Zivilisation heute ohne unsere Philosophen wie Aristoteles 384 v. Chr., dem bedeutendsten Philosophen der Menschheit? Oder Platon 428 v. Chr., Sokrates 469 v. Chr. und dem  Mathematiker und Astronomen Pythagoras 570 v. Chr.Mediziner wie Hippokrates 460 v. Chr., der die erste griechische medizinische Schule gründete hat der Nachwelt ein Erbe von unbezahlbarem Wert hinterlassen.

Oder die Olympischen Spiele, die im 2. Jahrtausend v. Chr. in Olympia auf der Halbinsel Peloponnes erfunden worden sind. Sie sind heute Grundlage der modernen Wettkämpfe, die alle 4 Jahre weltweit ausgetragen werden. Damals waren die Spiele noch brutal und konnten durchaus tödlich enden. Der Sieger bekam einen Kranz aus Olivenzweigen und man wurde als “von den Göttern begünstigt” geehrt.

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Chalkidiki

Viele haben versucht in den letzten Jahrtausenden dieses wunderbare Land zu unterwerfen und zu vereinnahmen. Wurden die Kämpfe früher noch auf den  Schlachtfeldern mit den Schwertern ausgetragen sind es heute Hilfsprogramme und Milliarden-Kredite die als Tarnung eines modernen Krieges dienen.

Die Ausplünderung und Privatisierung der staatseigenen Vermögen wie Energieunternehmen, Wasserversorgung und die komplette Infrastruktur wie Flughäfen und Schiffshäfen sind in vollem Gange. Dabei sollen nur die profitablen Bereiche privatisiert werden, die weniger lukrativen dürfen großzügiger weise behalten werden! Die Frage, ob das nicht von Anfang an das einzige Ziel war, stellt sich unwillkürlich…

Vielleicht bietet diese Privatisierung aber auch neue ungeahnte Chancen für uns. Die Strukturen der alten Staatswirtschaft waren veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Andere Länder haben es längst vorgemacht und sich mit der Privatisierung wieder auf einen Wachstumspfad begeben. Wir sollten unsere Lehren daraus ziehen und es allen zeigen, dass wir nicht so leicht unter zu kriegen sind!

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Thassos Hafen

 

 

Ich schaue immer noch hinüber auf den Berg und sehe es genau vor mir:

Da sitzt Zeus mit seinem langen Bart ganz erhaben und schweigend auf seinem Thron und beobachtet alles mürrisch um sich herum. Seine Götter reden mal wieder alle wild durcheinander und versuchen sich gegenseitig zu überbieten. Jeder ist natürlich besser und schneller in allem!

Während Ares und Artemis ihre Waffen lauthals zur Schau stellen, schwingt Poseidon sein Dreizack über ihre Köpfe um auch noch ein Wörtchen mitreden zu können. Lässig an einen Olivenbaum gelehnt genießt Dionysos gerade sein drittes Glas Wein und lauscht mit geschlossenen Augen Apollo zu, wie er auf der göttlichen Harfe spielt.

Göttin Aphrodite atemberaubend schön wie eh und je, streicht sich eine Strähne aus der Stirn und betrachtet ihr Spiegelbild im Wasser eines Springbrunnens. Daneben auf den Stufen sitzend, liest Athene mit sanfter Stimme ihre Weisheiten aus einem Buch vor.

Was weiter hinten passiert kann ich nicht genau erkennen, da Hephaistos mal wieder ein grosses Feuer gemacht hat. Gerade noch rechtzeitig hat es Hermes geschafft davon zu fliegen bevor der Rauch den halben Berg verdunkelt.
Eben ein ganz normaler griechischer Familientag!

Deine

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