Rückblick

3. April 2016

Obwohl ich viele Jahre glücklich in unserem Haus und meinem geliebten Garten auf dem Land gelebt habe, bin ich heute zu meiner eigenen Überraschung, tatsächlich zu ein Stadtmensch konvertiert. Nach all dieser Zeit der Idylle und Ruhe, brauche ich inzwischen dieses turbulente Leben mit seinen vielen Facetten und dem regen Treiben das hinter jede Ecke lauert.

Meine heutige Wohnung ist ein altes Fischerhaus im multikulturellen Stadtteil Santa Catalina. Hohe Wände, schmale Räume und marokkanische Fliesen auf dem Boden spiegeln die Geschichte und gleichzeitig das einfache Leben dieser Insel wieder. Mein neues Zuhause ist so klein dass es fast in unsere damalige Garage reinpassen würde. Der Balkon bietet gerade mal Platz für zwei Hocker, einem kleinen runden Tisch und ein paar Stiefmütterchen. Und trotzdem hatte ich mich sofort in diese Wohnung verliebt und fühlte mich von Anfang an wohl in meinem eigenen kleinen Reich, inmitten der Stadt.

Die Liebe zur Natur ist jedoch so tief in mir verwurzelt, dass ich diese Leidenschaft, die ich eindeutig von meinem Vater geerbt habe, in mir trage. Ich erinnere mich, als ich noch ein kleines Mädchen war. Es war das Größte, wenn unser Vater meinen jüngeren Bruder und mich, zu unserem Schrebergarten mitnahm. Dieser befand sich an einem Fluss in Nagelsberg, einem kleinen Ort nahe meiner Heimatstadt Künzelsau. Zwischen vielen anderen, absolut identischen Gärten lag auch unserer. Gleich daneben war ein großer Berg Erde aufgeschüttet und bot uns Kindern, den idealen Ort für unsere fantasiereichen Abenteuer. Wir schnitzten mit unseren Taschenmessern stundenlang liebevoll verzierte Pfeile und spannten Bogen aus Ästen. Damit bewaffnet, begaben wir uns auf die Suche nach Goldschätzen und fühlten uns wie Winnetou und Old Shatterhand.
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Dort fing alles an. Ich lernte über die Jahre, dass zur Kartoffelpflanze auch Kartoffelkäfer gehören, dass Schnecken unheimlich gerne an Erdbeeren naschen und riesige Sonnenblumen ein Muss in jedem Garten sind. Die Mühen und Strapazen, die Blasen an den Händen von den gefühlten einhundert geschöpften Gießkannen aus dem Fluss, waren vergessen wenn man am Abend stolz die duftenden und natürlich gewachsenen Tomaten, krumme Gurken und Körbe voll mit Johannisbeeren heimbrachte. Alles schmeckte uns viel besser da es mit unseren eigene Händen gepflanzt und geerntet wurde. Das Leben war damals so viel einfacher aber wir waren mit dem was wir hatten wirklich glücklich. Ich kann von mir behaupten dass wir eine schöne und erfüllte Kindheit hatten, an die ich gerne zurück denke.

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Wie das Leben so spielt, habe ich einen lieben holländischen Freund, der schon seit über 25 Jahren auf Mallorca lebt. Er besitzt ein wunderschönes großes Haus in Calvia, dass er sich mit zwei eigensinninigen Katzen, Skulamusch und Dula teilt. Er liebt dieses Haus sehr, da seine beiden Mädchen darin aufgewachsen sind und er sehr viele schöne Erinnerungen aus dieser vergangenen Zeit hat. Da er jedoch mit viel Leidenschaft lieber Segelschiffe und Yachten verkauft und ständig im Ausland unterwegs sein muss, als den Garten in Schuss zu halten, überlegte ich nicht lange, als er mich fragte ob ich nicht Lust hätte ihm zu helfen, die etwas verwilderte Oase wieder herzurichten.

Ich gebe zu, dass ich für jede Gelegenheit dankbar bin, bei der ich mal wieder raus aufs Land komme und die Natur und Stille genießen kann. Rosen schneiden und neue Obststräucher einpflanzen standen auf dem Tagesplan. Der Feigenbaum brauchte außerdem auch noch ein bisschen Extrapflege.

Wie hatte ich das vermisst! Für ein paar Stunden war ich wieder völlig in meinem Element. Dieser Duft nach frischer Erde und die Farben der Natur weckten viele vergessene Erinnerungen und waren wie eine kurze Zeitreise zurück in die Vergangenheit !
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Es ist wichtig, sich ab und zu wieder zu besinnen woher wir kommen und wo wir heute stehen. So eine Rückblende kann uns sehr viel sagen. Sich wieder daran erinnern was wir alles vorhatten als wir noch jung waren, für welche Leidenschaft unser Herz schlug und welche Träume und Ziele wir hatten. All dies kann ein Wegweiser sein, wenn wir wieder an einer Kreuzung des Lebens stehen und nicht so recht wissen welche der vielen Richtungen die Richtige ist.

Als Dank, liegen jetzt ein paar riesige selbst gepflückte Zitronen auf meinem Tisch und verströmen einen herrlich mediterranen Duft.

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